Abendspaziergang

Es geschah an einem Dienstag Abend. Es war 20:00 Uhr und die Sonne hat sich bereits in ihren wohlverdienten Feierabend verabschiedet. Normalerweise tummelt es nur so von Menschen auf den Straßen der Candelaria, dem Zentrum Bogotás in dem Salsakneipen bis in die frühen Morgenstunden geöffnet haben. Doch nicht in jener Nacht! Bea und ich beschlossen noch einmal dem Supermarkt einen kleinen Besuch abzustatten. …was wir zu dem Zeitpunkt der Entscheidung nicht wussten, war, dass wir das lieber hätten sein lassen sollen.

Ich bestückte mich mit Pass und meiner neuen Zebra gemusterten Visakarte, bevor ich mit meiner Gattin das Anwesen verließ.

Es war ruhig in jener Nacht. Zu ruhig! Nachmittag regnete es und der Regen schien Spuren hinterlassen zu haben. Zumindest bei den zwei Columbianos die uns in der Seitenstraße abfingen.

Einer kam von vorn auf uns beide zu, der Andere von hinten. Als sie nur eine Handbreite von uns entfernt waren zückten beide gleichzeitig ihre Messer und verbreiteten eine Hektik und Stress, was jeden klaren Gedanken unterdrückte. Sie riefen englische Gewaltausdrücke, um die Sache schnell hinter sich zu bringen und den Stress in uns zu provozieren.

Wir sagten, dass wir kein Geld dabei haben. Bea zeigte ihre Taschen, gefüllt mit unwichtigen Sachen, u.A. ein Pfefferspray, dass sie aber in dem Moment nicht in Gebrauch nehmen wollte, da sie ja nur einen der beiden damit hätte ansprühen können, während vielleicht ihr Ehemann abgestochen wird… Während er sein Messer auf uns richtete, zerrte er an meiner Gürteltasche. Lieber als abgestochen zu werden, gaben wir ihnen die geforderte Tasche indem sich mein Reisepass und die wundervolle Visakarte befand. Bea schrie ihnen noch nach “Aber die Dokumente, bitte, die Dokumente, die sind wichtig!”, aber keine Reaktion.

So schnell wie sie aufgetaucht waren, waren sie auch wieder weg. Jedenfalls haben wir gleich die Karte sperren lassen, am nächsten Tag unseren Verlust bei der Polizei gemeldet (wurden vorher noch im Polizeikleinbus herumkutschiert) und einen neuen Reisepass bei der deutschen Botschaft beantragt. Die Polizei, oder zumindest genau der Polizist, der unsere Daten aufnahm, war wirklich sehr, sehr unhöflich zu uns, was vor allem Bea in dem Moment sehr schockierte und sie fast einen Wutausbruch bekam. Sie meinte danach “Das schockierende waren nicht die Diebe, sondern der Polizist!!!”.

Wir sind nun schon 6 Monate in Kolumbien – ab morgen wieder legal, anderes Thema 😉 – und wir müssen sagen, dass ist ein gutes Zeichen, dass wir erst jetzt überfallen worden sind. Das Gute ist: Jetzt sind wir ein bißchen ausmerksamer für unsere Reise, die Ende des Monats losgeht. Auch gut, dass wir in dem Moment überfallen worden sind, und nicht, als wir Laptop, Kamera 1 und Kamera 2 dabei hatten und noch sonstige wertvollen Dinge… Ich hatte sogar sein Mobiltelefon in der Hosentasche, aber sie waren so fixiert auf meine Bauchtasche, dass sie vergessen haben, meine Hosentaschen zu untersuchen…

In Psalm 91,9 steht:
“Denn der Herr ist deine Zuflucht, du hast dir den Höchsten als Schutz erwählt.”

Das heißt nicht, dass wir jetzt jeden Abend durch Bogotá laufen, oder leichtsinnig sein wollen… sondern, dass wir wissen, dass wir nicht alleine sind, wenn jemand mit einem Messer vor uns steht.

Genau hier wurden wir überfallen, um die Ecke
von unserem Haus…

Liebe Grüße aus Bogotá

vom Daniel

sischa is sischa

Hallo und so!

Da Bea letztens über die Gefahren berichtet hat, schreib ich (Daniel) mal was über die Sicherheit. Die gibt es hier nämlich auch. …jedenfals bemüht sich der derzeitige Präsident darum.

Is ein bisschen kompliziert darüber zu schreiben, weil es verschiedene Arten von Polizisten gibt.

Wenn man in Bogotá nich gerade in eine reiche Familie herein geboren wird, hat man kein Geld um sich eine Uni aussuchen zu können. Man geht entweder auf die Nationale Universität, man wird Polizist oder geht wahlweise zum Militär.

So hört man von vielen Jugendlichen, die man in den Schulen befragt, dass die eine solche Karriere in Uniform anstreben möchten.

Kids, die eben noch die neusten Klingeltöne aufs Mobiltelefon geladen haben, endscheiden im nächsten Moment, wie man in Krisensituationen reagieren muss. Komisch für mich, wenn die Polizei nicht mehr älter als man selbst ist. Für mich ungewohnt. Man sieht sie oft in kleinen Gruppen Musik hörend herumschlendern.

Wenn man ein bisschen Glück hat, erwischt man 100 Stück auf einem Fleck, wie sie sich grade formatieren.

Zum Anderen gibt es die krassen, die mich irgendwie an die Stormtroopers aus dem Film “Star Wars” erinnern. Sie stehn vor Kirchen, an öffentlichen Plätzen, an Straße oder Kreuzungen herum. Manchmal in Gruppen von über 50 Stormtroopern.

Man muss zugeben, eine gewisse Ähnlichkeit ist da, oder ?!




Ich hab hier mal ein kleinen Vergleich aufgestellt gegenüber der deutschen Pozilei. …bitte nicht böse werden, wenn Sie bei der deutschen Polizei arbeiten. :)

Feuerwehrautos und Rettungswagen wurden dementsprechend angepasst.





So, jetzt wisst ihr, dass es in Bogotá nicht nur Jungs von der “Dunklen Seite” gibt.

Ein schönes Wochenende wünschen wir und “Möge die Macht mit euch sein”!

Bea & Daniel

Beten


Auch wenn Kolumbien wunderschön ist in vielerlei hinsicht,
so brauchen wir trotzdem immer wieder Gebet und Gottes Schutz .

Kolumbien wird teilweise noch von Guerrillas beherrscht
(es wird noch viel Blut vergossen. Außerdem ist
Kolumbien das Land mit den meisten Entführungen),
75% des Kokains der Welt stammt aus Kolumbien,
und momentan gibt es in einigen Vierteln eine “soziale Sauberkeitsaktion”,
wo Menschen einfach abgeknallt werden, weil sie Kriminelle sind.

Beide arbeiten wir in Armenvierteln, in
denen diese Sauberkeitsaktionen
durchgeführt werden. Es werden Zettel an Anwohner
verteilt, auf denen eine Warnung draufsteht:

Hinzu kommt, dass Daniel seit heute noch zusätzlich
halbtags Freiwilligenarbeit als Gesundheitsberater in einem Haus des
CVJMs angefangen hat, welches im Zentrum aber einem Rotlicht-
und Drogenviertel liegt. Das alles sollte man auch als gutgläubiger
Tourist nicht unterschätzen, daher bitten wir euch um Gebet.

Heute, eben grad erst, vor 3 Stunden,
hat man bei Beas Praktikumshaus um die
Ecke einen Mitarbeiter mit einer Pistole bedroht
und ihm sein Handy und Geld abgenommen.
Es war wohl ein Junkie. Die schrecken vor nichts zurück.

Ihr braucht euch jetzt keine Angst um uns machen, haben wir
selbst ja auch nicht. Soll nur ein Aufruf zum Gebet sein!
So wie es in einem Armenviertel an den Hauswänden
steht, sehen wir es auch:

Gott ist mein Schutz!

Dankeschön!

Bea & Daniel